Sonntag, 10. März 2013

Guide: Welcher Wargamer bist Du ? ------ Teil1

In der Königsdisziplin der Spiele, dem wargaming oder auch tabletop, entspinnt sich - anders als bei Brettspielen oder dem eher anonymen Zocken im Internet - ein Duell zwischen zwei Gegnern, das bisweilen nicht nur auf dem Tisch sondern auch auf einer Metaebene stattfindet. Es ist der auf den Moment reduzierte ewige Kampf zwischen Gut und Besser, Schwarz gegen Weiss, Sahnig gegen Cremig. Papperlapapp !

Natürlich schieben wir im Zweifelsfall nicht nur Figuren übern Tisch, sondern müssen uns neben all den bestimmenden Kleinigkeiten des jeweiligen Regelwerkes auch mit unserem Gegner auseinandersetzen. Was ist das für ein Typ ? Wie denkt er ? Warum sind seine Figuren schöner angemalt als meine ?
Fragen über Fragen und deshalb habe ich in langjähriger Feldforschung ein Klassifizierungssystem entwickelt und mir dabei die ebenso deutsche wie hilfreiche Methode der Schubladisierung dienlich gemacht.

Voilá hier ist er, Opas ultimativer Guide zur Erkennung deines Gegners: "Welcher Wargamer bist Du ?"


Der Harmonische

An den Spieltischen gar nicht mal so selten anzutreffen, ist der Harmonische. Er spielt, um zu spielen, der Sieg wird gern in Kauf genommen, wenn auch nicht angestrebt. Er zeichnet sich durch Freundlichkeit und Fröhlichkeit aus und legt dabei gegenüber den Fährnissen des Daseins allgemein und des wargamings speziell, einen Gleichmut an den Tag, den ein indischer Fakir gewöhnlich nur nach jahrelangem Meditieren und Fasten erreicht. Er wird nicht mehr als GW-Jünger wiedergeboren und darf gleich ins Nirwana einziehen.
Und die Fährnisse sind nicht gering im Leben des Harmonischen. Menschen wie er werden gern von kiffenden Eichhörnchen im eigenen Garten zusammengeschlagen und erreichen den Spielabend im Allgemeinen erst spät, weil der Busfahrer sie nicht mitgenommen hat. An ganz schlechten Tagen werden ihnen unterwegs die Figuren geklaut.


Endlich am Tisch, kann sich der Harmonische kaum das Grinsen verkneifen, weil alles so toll ist. Egal ob im Einzelduell oder im Multiplayer, er ist gern gesehen, weil man ihn prima über den Nuckel ziehen kann. Und selbst wenn´s mit Schummeln nicht klappt, egal, wechseln wir einfach mitten im Spiel das Regelsystem; der Harmonische wird sich nicht wehren.

Trotzallem oder gerade deshalb: Man spielt gern mit ihm, denn - auch wenn der Sieger schon vorher feststeht - nie muss man sich aufregen oder ewig diskutieren, es wird nie laut, es sei denn aufgrund des immerwährenden Gelächters und man fühlt sich einfach wohl. Nebenbei vollbringt man auch eine gute Tat, denn solange man mit ihm spielt, kann er nicht anderswo ausgeraubt, verkloppt oder betuppt werden.

Niemals sollten man ihn jedoch mit seinem entfernten Verwandten aus dem Forum verwechseln, der es auch besonders kuschelig mag. Wer im Netz auf friedlich macht, kann am Tisch der absolute Rüpel sein.

Kennzeichen:
- immer gut gelaunt
- sagt immer Sachen wie "toll...du", "Macht nichts" und "...wie du willst"
- mag Blumen

 Der Zweifler


Ein ganz anderes Kaliber als der Harmonische ist der Zweifler !
Er ist der Philosoph oder besser gesagt der Häretiker unter den wargamern. Keine noch so offensichtliche Spielsituation, die nicht doch einen Hauch Unwägbarkeit birgt und vom Zweifler in endlosen Debatten zerredet wird. Gehüllt in den Mantel der Selbstgerechtigkeit und bewaffnet mit dem scharfen Schwert der unwiederlegbaren Hypothese, verwandelt er jeden gemütlichen Spielabend mit seinem endlosen "Aber..." in den Vorhof der Hölle. Vor 500 Jahren noch hätte man seinesgleichen ohne viel Faxen zu machen einfach verbrannt. Aber seit die Heilige Inquisition auch nicht mehr ist, was sie mal war, lodern die Scheiterhaufen hier nicht mehr so fröhlich und so oft, wie es heute bisweilen geboten wäre.
Egal ob das Regelbuch 12, 120 oder 1200 Seiten hat: Niemals ist etwas so klar, als das er nicht noch etwas zu nörgeln hätte. Und selbst ein 6er-Pasch ist kein Ergebnis des Zufalls, sondern in Wirklichkeit eine 3 und 4, die aber nur deshalb zum nämlichen wurde, weil aufgrund des Temperaturgefälles im Raum, bedingt durch die bauliche Anordnung der Fenster im Verhältnis zur Aufstellung des 1,80mx2,40m messenden Spieltisches in Verbindung mit der Fallhöhe der Würfel zu Turbulenzen...Blah-Sülz-Laber-Blah.

Der Zweifler als solcher hat immer ein erklärtes Lieblingsspielsystem. In dem kennt er sich aus. Halbwegs jedenfalls. Und weil sein Lieblingsspiel gleichzeitig den Ereignishorizont darstellt, gibt es in jedem Spiel mit ihm ständig solche Situationen:

" So, ich habe drei Treffer erzielt, du hast nicht gesaved, also 3 weg und gepinned !"
" WIE ?? Drei Treffer ? Du hast aber aus der Flanke geschossen, da kannst du die hinteren gar nicht treffen."
" Ist egal, weil es laut Regeln darauf nicht..."
" Na wenn wir Fuck of War spielen, ist das aber nicht so !"
" Wir spielen aber hier nicht Fuck of War und hier ist das so "
" Das ist doch aber blöd! "
" Ja...Nein...so sind aber die Regeln..."
" Das ist doch voll unrealistisch ! "
" ..."

Müssig zu erwähnen, dass im Lieblingsspiel des Zweiflers ständig total realistische Situationen regeltechnisch total realistisch abgedeckt werden.
Letzten Endes - und nur weil man zugesteht, dass die Spielregeln so total unrealistisch sind - bringt man das Spiel zu Ende, hat aber am Ende wahrscheinlich verloren, weil man geistig schon auf dem Heimweg war, wo man auf ein entspannendes Wannenbad hofft...oder auf Zombie-Apokalypse bei RTL.

Pech für den Zweifler allerdings, wenn der Regelfuchs mitspielt...

Kennzeichen:
- Hat immer nur die Regeln seines Lieblingsspiels dabei
- Hat immer ein Maßband in der Hand
-"Aber" ist das am häufigsten gebrauchte Wort


Fortsetzung folgt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen