Freitag, 7. Juni 2013

Opa privat !

Nein, hier gibt es keine selbstgedrehten Videos zu sehen. Auch wenn der Titel das vielleicht suggeriert. Insofern können alle aufatmen, die Schlimmes befürchteten und jene welche Schlimmes erhofften, müssen wieder zu youporn wechseln.

Ja kurze Rede, langer Sinn: meistens schreib ich ja hier nur über Wargaming oder zeige Euch schlechte Bilder von mittelmäßig bemalten Figuren oder gewähre einen kurzen Einblick in meine geistigen Abgründe.
Da wird sich Mancher fragen "Sach ma, wat is´n dit füan Eiakopp. Is der imma so ? "
Um´s vorwegzunehmen: JA ISSER !
Aber ich will es mal plastisch machen und werde einfach ein typischen Tag beschreiben; typisch insofern, weil ich einfach mal ein paar typische Abläufe in einen einfachen fiktiven Tag packe. Damit´s anschaulich wird. Einfach fiktypisch eben.

Morgens um 0515 klingelt der Wecker. Aber nicht immer, denn häufig bin ich eh schon wach und schleiche dann schon durchs Internet. Wahlweise plätt´ ich ein paar Orks oder gucke, was die Mädels im Sweetwater gestern abend noch so gepostet haben.
Kurz darauf brause ich durch die Stadt, um an meinen Arbeitsplatz zu gelangen. Brausen darf man aber nicht mißverstehen, weil ich bis zur Stadtautobahn nur 30 fahre. Entweder 30er Zone oder durchlöcherte...ääh, Straßen. Berlin hat kein Geld zum heilemachen, weil wir einen schicken Flugplatz vor der Stadt gebaut haben. Nach 20-30 Minuten, von denen der größte Teil für die Parkplatzsuche draufgeht, bin ich in meinem Büro und hasse jetzt schon alle Menschen. Vorallem die, welche hinter einem Steuer sitzen. Arschlöcher alle.
Ich arbeite bei einem großen Berliner Dienstleister der öffentlichen Hand, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Strassen sauber zu halten. Nein nicht die Stadtreinigung, man muss es irgendwie allegorisch verstehen.
Mein Büro ist dreckig, der Flur sowieso. Berlin hat kein Geld, weil wir einen schicken Flughafen haben und weil es mich bezahlen muss. Deshalb mietet Berlin eine obskure Reinigungsbuchte mit noch obskureren Mitarbeitern an, die sich aber nur einmal die Woche blicken lassen, um mit einem Schrubber in einer tiefschwarzen stinkenden Brühe herumzurühren und in fremder Zunge zu singen.

Bis um halbneune - unserer sogenannten "Frührunde" lese ich Zeitung, Wikipedia oder überlege, welche Figuren ich abends bemale. Die EMails lese ich auch. Seit einiger Zeit ist der Internetzugang sehr eingeschränkt und wird stark kontrolliert, deshalb gibt es kaum noch Titten oder Fickfilme in der Post. Seitdem hat sich der Posteingang bei jedem (Mann) halbiert. In den Mails die ich bekomme, steht nichts Interessantes. Das interne Netz bietet aber den sich seuchenartig ausbreitenden Luftschlossbauern, Wichtigtuern und Wind-um-die-Ecke-Schauflern ´ne dufte Plattform, um sich zu präsentieren.
Ich habe noch ein paar angefangene Japaner 20mm, lautet meine Entscheidung für heute abend.

Frühstück: 3 Schrippen mit wahlweise Feuerwehrmarmelade oder der anderen.
Jeder erzählt etwas. Manchmal hat es etwas mit der Arbeit zu tun. Mein Lieblingskollege Knuddelbär aka Großinquisitor ist ekelhaft penetrant. Ca. 12 mal wird meine Vorname evoziert, was ich hasse. Leider ist er von seinem letztjährigen Schlaganfall so genesen, dass er wiederkommen durfte. Mein Chef ist heute auch da. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, frönten die Herren, die mit 30 bereits ihren Oscar fürs Lebenswerk in Empfang nahmen, doch bisweilen seltsamen Sportarten, die man nur tagsüber ausüben kann oder hämmerten sich bis Mittags schon ein paar Kartuschen in den Kopf. Wohl bekomms.

Nach der Frührunde habe ich Besuch. Manchmal verschicke ich Einladungen an Leute. Da steht dann so in etwa drin "Lieber...mhmhmh...Komm doch am...um...zum Opa. Der will mit Dir plaudern. Gruß und Kuss"
Mein Besuch heute ist eine Frau. Weil sie nicht frech wird, muss ich nicht brüllen. Die Hucke lügt sie mir trotzdem voll.
Erschöpft lese ich kurz im Sweetwater und beschliesse heute abend meine Dschungelhütte fertig zu bauen.

Nach dem Mittag (Körri mit Pommes uff´m Markt) fahre ich mit Kollegen in einem Auto weg. Das Auto ist 12 Jahre alt, oft in der Werkstatt und ruckelt ulkig, wenn man auf das Bremspedal drückt. Aber für ein Neues haben wir kein Geld. Wir haben einen schicken Flugplatz in Berlin, ich muss bezahlt werden, die Reinigungsfirma, mein Chef und sehr viele Luftschlossbauer.
Meine Kollegen und ich haben heute Besuchstag. Wir fahren zu Leuten und plaudern mit ihnen. Oder spielen. Das Spiel heisst "Such doch" und funktioniert so:
Wir klingeln und dann hat der in der Wohnung Zeit, sich oder etwas zu verstecken. Wenn wir drin sind suchen wir. Wir kommen immer rein. Oft finden wir, dann haben wir gewohnen. Manchmal hören wir draussen die Toilettenspülung. Dann haben wir nicht gewonnen. Der, den wir besuchen, ist genaugenommen aber auch kein Gewinner.

Ich überlege, heute doch besser erstmal die Normannen für Impetus fertig zu machen.
Mein Chef überlegt, dass er heute lieber Überstunden machen will. Keine Normannen.

Wir fahren zu einem stadtbekannten Markt, der sich in mehreren Hallen befindet. Dort gibt es Landestypisches. Landestypisch in dem Land, aus dem sie herkommen. Beide: Waren und Verkäufer.
Wir plaudern viel und spielen wieder "Such doch", diesmal allerdings ohne den Herinspaziert-Teil, denn wir sind ja schon drinnen. Heute abend gewinnen wir, denn wir finden einen Karton mit Juppenscheisse auf dem ein Markenname steht und kleine Kügelchen mit Pulver. Nimmt man das, wird man stark. Nimmt man es häufiger, wird man blöd. So wie der Spinner, der es in der Tasche hatte.
Wir gehen und alle freuen sich und winken uns zum Abschied.
Es wird nochmal beim Goldenen M gehalten, wegen Hunger.
Unser Auto schafft es gerade so und ich bin wieder in meinem Büro. Mein Chef sagt, was er am Samstag und Sontag machen will. Also keine Japaner, keine Dschungelhütte und keine Normannen.
Weil mich die Luftschlossbauer und Wichtigtuer so gerne haben, wollen sie mich jeden Tag bei sich haben. Bezahlen wollen sie das nicht extra. Berlin hat einen schicken Flugplatz...usw.

Als ich nach Hause komme, will natürlich mein Weib sich meiner Aufmerksamkeit erfreuen. Das ist heikel, denn ich muss noch kurz ins Sweetwater. Wir beschliessen, noch ein paar Orks zu plätten.

Als ich in die Heia gehe, beschliesse ich, morgen Dschungelgelände zu basteln.
Zur gleichen Zeit beschliessen zwei bärtige Motorradfahrer mit unterschiedlich bunten Lederwesten sich gegenseitig vom Bock zu schiessen...

1 Kommentar:

  1. Sehr schön ... Die Strassen sauber halten. Das nenne ich mal eine unterhaltsame Stellenbeschreibung. Weiter so Opa!

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