Mittwoch, 14. August 2013

Guide: Welcher Wargamer bist Du ? ------ Teil 6



Der Turnierspieler


Als großer Bruder des Regelfuchses ist der Turnierspieler überall dort zu Hause, wo die Schwanzlänge noch wichtig ist. Im Gegensatz zum BMW-Fahrer aber,  lebt der Turnierspieler seine Erektion nicht in der überteuerten Möchtegernenobelkarosse aus Süddeutschland aus, sondern wählt zu diesem Behufe den Spieltisch als Ort zur Schau gestellter Überlegenheit.
Welche Umstände im Einzelnen zu dieser Fehlprägung führen, ist unter Ärzten und Soziologen noch umstritten, ich denke, es läuft jeweils so ab:

Irgendwann fühlte er sich  – vermutlich als noch  Neu-Testosteronproduzent  – zur kühn gesculpteten Plastik- oder Zinnfigur hingezogen und entdeckte das bunt aufgemachte dazugehörige Regelbuch, als für ihn geeignetes Mittel zum Zwecke.  Fortan übte er sich mit Gleichgesinnten  im Bemalen,  Aufstellen und Umschiessen von Minipüppchen. Wer ein derartiges Spektakel mal im örtlichen XX-Store erleben durfte, wo sich vier 14jährige Clearasilkonsumenten lauthals um Millimeter streiten („Du kannst den gar nicht treffen, da fehlen 2 Millimeter !“, „NEEEEEIIIIIIN, tun sie nicht!“,  „DOOOOOOOCH !“ , „NEEEEEIIIIN !“ ad infinitum), kann sich ausmalen, wie Stammeskriege auf Borneo ausgetragen werden.
Mit fortschreitender Reifung wird das Vermöbeln von kleinen Orks, Elfen oder Spacechaoswarriormarines aber als infantil und generell Bäh! angesehen, was zur zwangsläufigen Hinwendung zum „historischen Tabletop“ führt (ich schreib das mal bewußt in Gänsefüßchen).
Hier nun erlebt der Bestätigunggssucher  erstmalig in seinem  jungen Leben, dass ein bunter kleiner Kamerad mehr sein kann, als nur die Faust im Feldherrenkoffer.
Mystische Begrifflichkeiten wie „Atmosphäres Spielgefühl“ , „Spieltischgestaltung“ u.ä.  be- und verzaubern ihn und dergestalt überrascht, stellt er fest:  Spielen ohne Gewinnen kann auch lustig sein.
Was übrig bleibt sind jene, die immer wieder durch kühne Listenauslegungen und Mini-Maximierungen bei ihrer Armeeaufstellung verhaltensauffällig werden und im Allgemeinen  bei Spielbeginn dadurch zu erkennen ist, dass sie den Hügel so präzise vor ihren Plänklern ausrichten, dass diese ihn schon im ersten Zug problemlos besetzen und von dort aus den Gegner piesacken können.
Kann man im Allgemeinen mit leben, aber – zugegeben – man ärgert sich dann doch ein bißchen.

Erfreulicherweise erkannten die seinerzeit noch jungen deutschen Tabletopclubs und Spielervereinigungen diesen besorgniserregenden Trend rechtzeitig und riefen deshalb gemeinsam mit der kassenärztlichen Vereinigung und dem Bundeskriminalamt Veranstaltungen ins Leben, wo sich die würfelnden Powerboys unter ärztlicher Aufsicht und dezenter Überwachung durch geschultes…äh, Fachpersonal treffen können, um ihre Bedürfnisse auzuleben. Damit´s auch die richtige Zielgruppe anlockt, hiess man es: Turnier
Schon sind die Würfelprotze unter Kontrolle und alle anderen wissen, wo sie sind.
Wenn doch alles so einfach wäre…

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