Samstag, 1. Februar 2014

Guide: Welcher Wargamer bist Du ? ------ Teil 8: Krieg ist die Hölle...aber der Sound ist geil !

Der Geräuschemacher


Als ich noch klein war, lag die Cowboy&Indianerausrüstung unter dem Weihnachtsbaum. Oder auf dem Geburtstagstisch. Oder einfach mal zwischendurch.
Einkaufen mit Oma, Opa, Tante und Onkel ? Da gehörte die Plastikkanone, ein Flitzebogen, Gummimesser, Pistole-wo-ein-Pfeil-mit-Saugnapf-rauskam oder der Klassiker des 70er-Jahrekinderzimmers, nämlich die Packung Airfixsoldaten einfach mit dazu. Taschengeld gabs ja auch noch-->Roco-Panzer.
Irgendwann war das irgendwie nicht mehr en vougue und heutzutage geht das gar nicht mehr.
Ist ja auch irgendwie total okay, Du..nä, weißte...total irgendwie...wer eine Welt ohne Kriege möchte, beginnt natürlich im eigenen Kinderzimmer.
Besser wäre freilich, der Gutmensch begänne in den Kinderzimmern Afrikas, Afghanistans oder des Nahen Ostens. Da geht er aber nicht hin, weil´s da ständig rummst und kracht und außerdem: die Amis, diese finsteren Schergen werdens schon richten. Lichterketten sind ja auch eine Alternative. So angstfrei irgendwie.
Ich komm´schon wieder völlig vom Thema ab...

Kein halbwegs normaler Mensch käme auf die Idee, jedes Ausspielen einer Karte mit einem *Splatt*, jedes Würfeln mit *krocoloc*  oder das Setzen seiner Spielfigur auf dem Spielbrett mit *boing* zu kommentieren. Beim wargaming gehört das aber zum guten Ton (Achtung: Wortwitz mit um-die-Ecke-denken).
Zumindest in Berlin ist das so und Don Martin, der große Doyen der Geräuschemacher - Gott hab ihn selig - wüsste sein Lebenswerk in guten Händen, hätte er die Möglichkeit einer Zambwana-Spielrunde beizuwohnen (vielleicht kann er´s ja...ich glaub´ er wäre glücklich).
Beträte der Gutmensch zu fortgeschrittener Stunde den jeweiligen Austragungsort, würde das unvorbereitete Ohr von einer Kakophonie sondergleichen heimgesucht werden, dass er sich bei der Berliner Synchron, wahlweise in der Papageienvoliere wähnte. Bei Erreichen des Spieltisches fiele sein Blick indes auf 6-8 Menschen, teils fortgeschrittenen Alters, die die jeweiligen Aktionen ihrer bemalten Figürchen akkustisch recht eindrucksvoll untermalen.
Dabei wird ihm erst bewußt, wie kunstvoll der liebe Gott des Menschen Sprechapparat konstruiert hat und wie virtuos der eine oder andere Zeitgenosse selbigen zu nutzen weiss. Wo im normalen Leben der durchschnittliche Muttersprachler an "Fischers Fritze fischt frische Fische" kläglich scheitert, reihen gestandene tabletopper kühnste Konsonantencluster aneinander, dass selbst der Serbokroate oder Pole beifällig nicken würde und die Schneidezähne wackeln.
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Palatale, Uvulare und Pharyngale. Nacheinander oder -noch besser - alle zugleich:

sssssssstprschschchch
wwwwwwmmmffft
iiiiiuuuschprchchchch

Die wagemutigsten  Buchstabenhaufen werden dabei regelmäßig mit einem kollektiven "Wie macht der Mörser/Panzer/irgendwas ???" kommentiert und der Verursacher darf unter allfälligen Beifall und Johlen sein Geräusch noch einmal zum Besten geben. Auf diese Weise geadelt, gilt er von Stund an als eine Koryphäe unter den Akusstikern und darf sich fürderhin Sir Noise heissen.
Dennoch: Obwohl hier die Produkte einer verfehlten Erziehung ihrem zweifelsohne menschenverachtenden und geschichtsrevisionistischen Tun huldigen, will sich kein rechtes Gefühl der Bedrohung einstellen. Im Gegenteil: Die geargwöhnte Gewaltbereitschaft entpuppt sich als lustiges Friede-Freude-Eierkuchen mit Häppchen und Schwätzchen und so zieht der Gast enttäuscht von dannen. Leider ists schon recht spät und den zweifelhaften Fahrkünsten Berliner Taxifahrer will er sich nicht aussetzen, weshalb er sich den öffentlichen anvertraut. Dummerweise fahren dort zu dieser Stunde jene, welche auf dem Gabentisch niemals Panzerchen und Plastikwumme fanden, sondern die sich das Sprechen an der Spielkonsole selbst beigebracht haben. Na und dann gibts ja vielleicht doch noch so richtig eins aufs Fressbrett !
Wäre mal ´ne prima Gelegenheit ein altes Vorurteil gegen ein neues einzutauschen...

1 Kommentar:

  1. Welch wahre Worte... und um deinen vorletzten Satz auch mal zu vertonen: *Zoink*

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