Samstag, 9. August 2014

Das Reich der Mitte und die aufgehende Sonne (3) - China and the Rising Sun (III)


  China oder: Wie der Opa sich das vorstellt...



Damit wir auf der Convention auf passendem Gelände spielen können, musste ich zunächst einige Gebäude bauen, weil ich für diesen Maßstab und diese Region wenig Passendes besitze.
Nun sollten die Gebäude einesteils erkennen lassen, dass sie in China stehen, andererseits nicht zu altertümlich oder klischeehaft wirken. Dabei ist zu bedenken, dass z.B. in Shanghai ganze Stadtviertel schon in den 30er Jahren sehr europäisch wirkten, was einesteils auf die dort vorhandenen europäischen Konzessionen, mit ihrer städtischen Bebauung zurückzuführen ist, andererseits viele Zweckgebäude sich ebenfalls an europäischen Vorbildern orientierten, beispielsweise Bahnhöfe oder das berühmte Sihang-warehouse.
Dennoch gibt es typische (regionale) Elemente, bei denen ich mich großzügig bedient und die ich auch gerne vermischt habe, z.B. Shikumen, Siheyuan oder die unchinesisch anmutenden Diaolous.
Kurze Rede, langer Sinn, hier ein paar meiner Basteleien:

1. Siheyuan 

Nachdem ich zunächst mit einem Testgebäude begonnen habe, habe ich mich direkt an einem grösseren Stück versucht, dem Siheyuan, einem auf vier Seiten umschlossenen Hof. Es ist ein traditionelles chinesisches Wohnensemble, dass eigentlich eher in Beijing und Nordchina und anzutreffen ist. Ich habe es komplett scratchbuild aus Polystrol in 3mm bzw. 5mm Stärke, Balsaholz, Wellpappe und ein paar Kleinteilen.
Die als typisch chinesisch empfundenen geschwungenen Dächer findet man eher seltener in profanen Gebäuden; sie sind Tempeln vorbehalten oder kaiserlichen Gebäuden bzw. dort, wo sich Bewohner diesen aufwendigen Baustil leisten konnten. Hier habe ich im Hauptgebäude ein Dach mit gestufter Neigung gebaut, die übrigen Dächer besitzen ein gewöhnliches Dach. Bei der Farbgebung war ich etwas wagemutiger, denn im "alten" China durfte nicht jeder sein Haus bemalen wie er wollte. Vielmehr gab es einen Farbcode und insbesondere die Farbe Rot war zu gewissen Zeiten dem Kaiserhaus vorbehalten. Im Allgemeinen deutete die Verwendung der Farbe Rot in Balken, Säulen und Fenstern an, dass der Hausbesitzer adlig oder sehr vermögend ist. Rot wurde allerdings niemals - außer bei einigen Tempeln -  für Dächer verwendet.
Man erkennt aber auch : Ich habe recht großzügig begonnen und mußte dann kräftig herunterschrauben, um noch im Maßstab zu bleiben. Nach jeder längeren Bastelpause, passiert das wieder...
Komischerweise bin ich erst kürzlich auf die Idee gekommen, den Modellbahnzubehör nach passenden Teilen zu durchsuchen. Bei der Fa. Auhagen bin ich fündig geworden und verbaue nun sukzessive deren Fenster statt meiner selbstgebauten klobigen Gucklöcher.

China or: How I think it should look...


Because I like to play on an appropriate table at our convention I had to make me some buildings, simply because I do not have anything that fits. Although I don´ t want the typical stereotypes it should be made clear that they are chinese. On the other hand many western style buildings existed in larger cities e.g. Shanghai which was divided in several european concessions alongside the old chinese city. Some more modern buildings for example stations had a specific european look. The Sihang warehouse was completely made of concrete with walls so thick, its defenders had a safe shelter even under heavy bombardment.
However there are several typical (and regional) element of chinas vernacular architecture for example the "shikumen", "siheyuans" and even the atypical "diaolous".
To cut a long story short, here are some of my  works:

1. siheyuan

After doing a building as an experiment I directly went on to a larger piece a "siheyuan" which literally means a courtyard surrounded by buildings. It is a vernacular chinese structure used for residences, business or even temples originally in use in the northern part of china so in Beijing and adjacent territories.
It is build from scratch using 2 and 5mm-polystrene, balsa, crinkled cardboard and a number of different small pieces.
The typical sweeping roof can be mostly found in temples, palaces and residences of wealthy ones. Multiple inclined and straight inclined roofs are the rule and so I did it here. Instead I was a little bit daring while using colours. In ancient china one was not alloud to paint his house the way he like  for restrictions were given when using colours on buildings. The colour red was used only by nobles and the very wealthy ones and through some periods it was restricted to the emperor and temples. With exeption of some specific temples the colour red had never been used for roofs.
You may notice: I began works large-dimensionized just to scale it down later to stay in 20mm scale.
Strange but a short time ago it crossed my mind to take a closer look to the model railroad and its accessory- kits. Now I use windows from the german manufacturer Auhagen rather than my own clumsy pieces.






Wie im Vergleich zu den 1/72-Figuren zu sehen ist, habe ich recht großzügig dimensioniert.

As one can see in this scale comparison the building is generous dimensionated.










2. Shikumen

Ein typisch europäisch-chinesischer Baustil aus Shanghai, der sich Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts ebenda entwickelte. Der Name Shikumen bezeichnet dabei den Eingang zu einem steinernen Lager- oder Geschäftsgebäude. Dahinter öffnete sich häufig ein kleiner Innenhof, über den Licht und Luft ins Gebäude gelangten. Typisch wieder der Hof, der aber, bedingt durch die städtische Enge, hier sehr viel kleiner ausfiel.
Bei wohlhabenden Familien oder in teureren Stadtteilen waren die Eingänge häufig kunstvoll gestaltet, um so den Status der Bewohner herauszustellen.

A typical sino-european architectural mix from Shanghai which developed during the 19th century. The name "shikumen" literally means a stone gate which opens into a narrow yard. Typical again we meet a court but this time it is much smaller due to the urban limitation of space. Sometimes the gates were rich decorated showing the wealth or rank of the inhabitants.


 
 Die Türen sind eigentlich Fenster im Jugendstil.

The doors are originally windows in Art Noveau.
Und hier mit einem Größenvergleich...

For scale comparison...




3. Diaolou

Eine besonders eigentümlicher Baustil an einigen wenigen Orten Südchinas, vornehmlich in der Umgebung Kaipings.
Schmucklose hohe Türme tragen teilweise barockartige Dachgeschosse oder Terrassen, denen man ihre europäischen Vorbilder deutlich ansieht. Es handelt sich dabei um Bauten, die Exilchinesen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts nach ihrer Rückkehr in die Heimat errichtet haben. Während sich einige der Heimkehrer offensichtlich an diesen westlichen Baustilen erfreuten, beschränkten sich andere auf eher funktionelle Aspekte. Solche Dialous dienten als Schutz und Rückzugsmöglichkeit bei Hochwasser oder bei Überfällen der zahlreichen Warlords und später der Japaner. Dauerhaft bewohnt waren sie selten. Es gibt auch einige ausgesprochene Wachtürme, die mit ihren dicken Betonmauern selbst Beschuß widerstanden.

A peculiar architectural style does exist in a few locations in southern china predominantly in the vicinity of Kaiping.
Bare and high towers are crowned with an attic storey of a baroque appearance or some kind of roof-terraces. They were build in the late 19th and early 20th Century by chinese expatriates who returned home. Apparantly they enjoyed these kind of western architecture. Others has been build as shelter against the periodical floods and assault of warlords and later the Japanese. These Dialous didn´t serve as permanent habitations and additionally another kind of Dialou was build as watchtower. With their thick concrete walls they even withstood heavy shelling.



 Im Vergleich zu den obigen Originalbildern, sieht dieser Dialou vergleichsweise bescheiden aus, aber das Original ist schon ein extremes Beispiel. Andere sehen deutlich schlichter aus.
Die dicken Betonmauern des Wachturms weisen schon einige Beschußspuren auf. Es gibt in der Tat Berichte über chinesische Soldaten, die regelrecht ausgehungert wurden, weil es den Japanern nicht gelang, diese Türme zu zerstören.

Compared to the original shown on the pic right up this Dialoou looks rather meek but to be true, the original Dialou is by far extrem. Other ones are less decorated.
The thick concrete walls of the watchtower had proven their stability as one can see from the shelling-marks.
In fact reports does exist from chinese soldiers who hid in them a had to literally be starvened out by the japanese for they do not find a way to break the towers nor enter them.


Zwischenzeitlich habe ich noch ein paar weitere Gebäude in Arbeit, die aber sehr viel simpler ausfallen werden, weil der Bastelaufwand teils recht hoch war. Naja...


Bis dann !

See you !


Kommentare:

  1. Wieder ein wahrer Augenschmaus, was der Opa da gezaubert hat. Ich wünschte ja ich hätte so viel Ausdauer, was das Gelände bauen angeht.

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    1. Vielen Dank für Dein Kompliment, aber ich muß gestehen, dass ich das siheyuan schon im Januar begonnen habe, halbfertig gebaut und dann bis Juni stehengelassen habe. Insofern ist "Ausdauer" schon irgendwie richtig, ich wünschte mir manchmal aber, ich hätte eher "Durchhaltevermögen", um Dinge konsequent und ohne Pause zu beenden. Aber was erzähl ich: Irgendeine neue Figurenrange oder ein neues Projekt kommt ja im Monatstakt. Naja, dürfteste kennen das Problem :-)

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  2. Toll toll toll, Opi! Da muss ich ja dringend meine Chinamänner fertig machen! Das Kaiserreich Qin will ja auch die (damals bekannte) Welt erobern!

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    1. Zumindest der siheyuan sollte sich problemlos auch für frühere Epochen einsetzen lassen; da habe ich doch mitgedacht ;-)

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