Samstag, 15. August 2015

Slawischer Burgwall Raddusch



Wer auf der A 15 unterwegs ist - zum Beispiel als Berliner, der mal in den Spreewald fahren will - wird irgendwann eines merkwürdigen Bauwerks gewahr, welches sich tortengleich aus der vergleichsweise flachen Landschaft erhebt.
Es handelt sich dabei um einen slawischen Burgwall, genauer gesagt die Rekonstruktion der einst an gleicher Stelle befindlichen Anlage des slawischen Stammes der Lusitzi.

Mir vollkommen unbekannt, entdeckte ich sie auf eben jener A 15 und entschloß mich spontan zu einem kleinen Abstecher. Mußte meine Familie halt mitkommen (aber im Nachhinein hat´s ihnen auch gefallen).

Slawische Burgwälle, im 8. bis 10. Jahrhundert im heutigen Osten Deutschlands von den dort lebenden slawischen Stämmen errichtet, waren selten dauerhaft bewohnt, sondern dienten der in unmittelbarer Umgebung lebenden Bevölkerung als Fluchtburg. Im Laufe der Zeit mag sich daraus eine ständig bewohnte "Burg" entwickelt haben, ein Fürstensitz.

Beispielhaft zu nennen ist die Brandenburg, Namensgeber der Stadt, der späteren Mark und des heutigen Bundeslandes, aber auch Spandau und Köpenick, beide heute in Berlin. Im Gegensatz zum Radduscher Burgwall, dienten letztere in der Folge als feudale Herrensitze. Der west- und mitteldeutsche Germane, eben erst selbst mühsam zum Christentum bekehrt, fühlte sich seinerzeit rasch berufen, die Damen und Herren jenseits der Elbe vom Unglauben zu befreien. Nach anfänglichem Erfolg, zog sie diese Geschichte dann doch noch ein wenig länger hin, sodaß...
Ich komm vom Thema ab.


Slawische Burgwälle sind massive Holz-Erde-Konstruktionen, für deren Errichtung zunächst mal sehr viel Holz erforderlich war. Und dann natürlich Erde. Von beidem gab und gibt es hier reichlich.
Von der Idee her ist die Sache ähnlich dem Murus Gallicus, nur eben ohne Steine.

Im Burgwall selbst gibt es neben dem obligaten Restaurant und Shop einige informative Schautafeln und Modelle, die Bauweise desselben und Leben der damaligen Bewohner veranschaulichen.




Müßig zu erwähnen, dass mir die Modelle natürlich besonders gut gefallen haben, weil ich sofort und unmittelbar Idee für ein vollkomen neues Projekt hatte. Ja isses möglich...?








                                                                                                  

Zu Hause angekommen, habe ich mich - Gott sei Dank - an mein 2004er Gallien-Projekt erinnert (Diorama mit römischen Belagerungsmaschinen und besagtem Murus Gallicus) und dreimal tief durchgeatmet.
Seitdem ist der Burgwall unter "Könnte man mal machen..." abgelegt.



Kommentare:

  1. Jaja... ich kenne das Gefühl "man könnte doch..." und "wenn man... dann sollte das doch eigentlich recht fix gehen" und wenn's gut läuft, dann kommt man soweit wie du mit deinem Gallien Projekt. Wenn nicht... naja, dann sitzt man wie ich auf einem Haufen teurem Material, das dann dooch nie Verwendung findet. Aber da greift ja dann wieder "Ich habe ja noch Zeug von Projekt X zu Hause, das könnte man doch sicherlich verwursten, brauch ich nur noch... besorgen." Ein Teufelskreis.

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    1. Ja, das ist wahr ! Gerade jetzt, da ich am Ausräumen bin, stelle ich erst fest wieviel Material aus gefühlten 1001 Projekten ich habe. Ich bin allerdings diesmal rigoros und drum wird gnadenlos aussortiert. Den Teufelskreis brech ich damit nicht, aber ich verringere den Radius erheblich ;-)

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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