Mittwoch, 17. August 2016

Opa muss reisen...nach Namibia (4)

....wir sind immer noch in Etosha.

Am zweiten Etosha-Tag haben wir ganz früh eine geführte Tour gemacht. Wie üblich fährt man in einem offenen Geländewagen. Gut, dass ich langärmelig unterwegs war und eine Jacke dabei hatte. Eine zu dünne wohlgemerkt. Es kann morgens richtig kühle sein in Namibia...

...und tschüss !
Wer so früh aufsteht, sieht Tiere, die tagsüber eher nicht anzutreffen sind. Zumindest nicht überirdisch oder in der Nähe der Piste. Dabei haben wir (das einzige mal in freier Wildbahn) ein Nashorn gesehen und ein Schuppentier. Beim ersten handelte es sich um ein Exemplar des Black Rhino, hierzulande Spitzmaulnashorn genannt. Natürlich hat es umgehend das Weite gesucht, als es uns bemerkte. Vom Schuppentier haben wir nur Schüppchen gesehen; das war noch schneller weg...


Anläßlich dieser Begegnung vertraute uns der Guide ein paar wichtige Informationen zum Umgang mit Nashörner-die-unmittelbar-vor-dir-stehen-und-in-deine-Richtung-gucken an. In Namibia gibt es nämlich zwei Sorten Nashörner. Besagtes Spitzmaulnashorn und das Breitmaulnashorn, im angelsächsischen White Rhino (das bezieht sich aber nicht auf die Farbe sondern auf das "weite" Maul. Die Namensgebung stammt von den Holländern und wurde von den Engländern unreflektiert übernommen ). Eines von beiden ist eher der nachdenkliche Betrachter vom Typ "Häh, wat steht´n da ?", während das andere eher der Typ Türsteher ist "Was guckst du, Alter, hast du Problem ?". Letztere Sorte macht dann immer bei Youtube Karriere, wo man gucken kann, wie es den doofen 4x4-Jeep umkippt.
Leider war ich noch müde und weiss jetzt nicht...aber ich würde ohnehin an kein Nashorn dichter als 10 Meter ran.

Kleine Anekdote:
Irgendwie wurde ich das Gefühl  nicht los, dass nicht alle Mitreisenden meinen Fahrstil toll fanden. Dabei bin ich laaaangsam gefahren. Trotzdem gab es immer so ein Hintergrundrauschen: "Oh"...."Uuuh"...."Aaah"....."EiEiEi". Irgendwann legte sich der innere Schalter um und ich wurde mal wieder zu Opa Arschloch. Wäre vielleicht noch zu erwähnen, ich war neun Jahre beim MEK. Das sind die, wo immer ganz schnell und ohne Blau und Lalü durch die Stadt und bei Rot und Pipapo und mit 230 über die Bahn und blablabla...kurz: Ich kann Autofahren.
Also beschloss ich, mir für gefühlte 90 Sekunden eine kleine Runde Autofahren zu schenken; war ja auch mein Geburtstag (die Betonung liegt auf fahren !). Heidewitzka welch ein Spaß ! Nach drei Kurven war das Geschrei groß in der Fahrgastzelle, die drei Mitreisenden waren für den Rest des Tages stinkesauer mit mir, aber was soll´s, der Spaß war´s wert.

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Weil es gerade paßt:

Exkurs: Autofahren in Namibia

Wie eingangs erwähnt, haben wir unseren Wagen vorab bei der empfohlenen AVIS angemietet. Eine Empfehlung, die ich gerne so weitergebe.
Wir haben am Flughafen eine sehr gute und professionelle Einweisung mit Powerpoint erhalten. Das Fahrzeug war tiptop und sauber.
In Namibia wird links gefahren. Die aphaltierten Strassen sind hervorragend. Besser als in  Deutschland. Der überwiegende Teil der Strassen sind jedoch Schotterpisten sehr unterschiedlicher Qualität. Die "grossen" und vielbefahrenen sind recht gut. Die kleinen Wege teils recht uneben, der größte Teil der C14 durch die Namib ist zum Beispiel, sagen wir mal: sportlich.
Aber selbst die habe ich mit dem - später zusätzlich angemieteten - VW Polo auch ohne Allrad geschafft. Offroad ist natürlich streng verboten und ohnehin fast unmöglich. Zäune.
Wer halbwegs Auto fahren (!) kann (also ca. 25 % der deutschen Autobesitzer) kommt mühelos klar, die restlichen 75 % können für den Rest ihres Lebens mit dem Abenteuer angeben.
Empfehlenswert ist, sich strikt an die Tempolimits zu halten. Nicht dass wir auf den Schotterpisten (C- und D-Strassen ) je auf die NamPol getroffen wären, aber auf der B1 und dem Transkalahari-Highway wird gelasert was das Zeug hält. In der Nähe von Winghuk gibt es Kontrollstellen, an denen jeweils zu stoppen ist und dort wird man gerne mal einfach so abgekellt. Wenn man z.B. ein Auto mit südafrikanischen Kennzeichen fährt. Wie wir. Der Mann von der NamPol hat allerdings schnell gemerkt, dass wir keine Südafrikaner sind und nach entsprechender Frage, entliess er uns mit den Hinweisen "alles locker angehen zu lassen" und auf das abendliche Spiel von Bayern München. Er selbst war Barvelona-Anhänger.
Das war nett !
Wichtig ist: Jeden Tag Reifenddruck prüfen, man verliert auf diesen Pisten u.U. schnell den Druck und spätestens bei 25% Tankfüllung volltanken. In den Lodges gibt es aber auch immer Sprit und Luft. Immer Wasser im Auto haben, am Besten mehrere Liter, denn falls man wirklich mal liegenbleibt, muß man u.U. ein bißchen warten, bis jemand vorbei kommt. Telefonieren geht dann mangels Netz vielleicht nicht.
Alle paar Kilometer gibt es an den aspaltierten Strassen Rastplätze unter dem obligaten großen Baum.
In der Regel haben wir nur dort angehalten, wo gerade kein anderes Fahrzeug stand. Einfach so. Sehr viele Menschen in Namibia sind arm. Man muß das Schicksal ja nicht herausfordern...
Kleiner Tipp: Alle Autos haben Klimaanlage und die sollte man auch benutzen. Ein offenes Fenster führt nur dazu, dass das Auto binnen kürzester Zeit vollstaubt. Dieser feine Staub, der wirklich überall eindringt...
Noch ein Ratschlag: Die Landschaften sind faszinierend. Unterwegs ab und zu anhalten und geniessen, ist Teil des Urlaubs. Tagestouren über 300 km können schon anstrengend werden und dauern entsprechend, weil man häufig nicht schneller als 80 km/h fahren kann ( eher weniger).
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Wasserloch Twee Palms. Sinnig.
Wo war ich stehen geblieben ?
Ach ja: Etosha.
Der nächste Tag führte uns zu diversen Wasserlöchern. Weil der Meister wieder selbst gefahren ist, durften sich alle nach mir richten. Und das war gut !

Am Wasserloch Twee Palms habe ich einfach mal 20 Minuten gehalten, um eine große Herde Springböcke zu beobachten.
Die haben nicht viel gemacht außer herum zu stehen.
Das war für nicht alle Insassen interessant, was wiederum mir scheissegal war, weil ich keinen Bock hatte, von Wasserloch zu Wasserloch zu rasen, schnell den Rüsselträger oder das Zebra zu knipsen und dann weiter zu hetzen (na, merkt ihr was ?)...
Mit dem Wind im Rücken. Alberner Gepard...
Als ich den Motor anliess, rannte alles wie wild los. Wegen des Motorengeräuschs, wie mir Lederstrumpf im Auto erklärte. Sicher, weil die Springboks auch noch nie ein Auto gesehen oder gehört haben.
Und weil alle schon wieder mit Sabbelfunke oder Landkarte beschäftigt waren, habe nur ich den Gepard gesehen, der sich rotzefrech angeschlichen hatte. Ja isses möglich...

Da hockt er...
Also haben wir noch ein halbes Stündchen gewartet, um zu sehen,
...und bleibt ganz unbeeindruckt !



was noch passiert. Er hat noch ein bißchen geguckt und ist dann zur Piste gelaufen, um sich dort untern Baum in den Schatten zu legen. Der hat nicht mal gezuckt, als wir mit dem Wagen vorbeigeschlichen sind. Was für ein Erlebnis !


Mittags haben wir in Fort Namutoni gerastet. Das ist ein Stützpunkt, den die Deutschen dort errichtet haben. Wegen der Eingeborenen. Hier wurde dereinst deutsche Militärgeschichte geschrieben.

Na, Kolonialoberrat Bimmelmeier, bißchen jeflunkert, wat ?

Ja, der wackere deutsche Soldat. Außer Schiessgewehr völlig unbewaffnet wehrt er den Angriff der blutrünstigen Wilden ab ! In der Hektik hatte man damals freilich vergessen zu erwähnen, dass das Fort, welches ungefragt in das Land der Ovambo gebaut wurde, erst nach dem feigen Überfall in der heutigen massiven Form errichtet wurde. Da hatte man natürlich kein Geld für ein größeres Schild mehr über. Denn korrekt muss es lauten:

" Am 28.Januar 1904 überfielen 500 Ovambo die Station Namutoni. Sieben tapfere deutsche Reiter schlugen den Angriff siegreich ab..

...bevor sie sich im Dunkel der folgenden Nacht klammheimlich aus dem Staub machten !"
Also "siegreich" ist irgendwie doch anders, oder ?

Ansonsten haben wir an diesem Tage noch einen Leoparden erspäht und und und...
Hier eine kleine Auswahl:










  
















Beim nächsten Mal:

- Die Nacht des AAAAAH !!!: Frau Wuttke in Gefahr !

Kommentare:

  1. Immerhin - auch wenn das Nashorn fix das Weite gesucht hat, konntest Du es ja noch auf ein Bild bannen, gute Reaktionszeit würd ich mal sagen :-P

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    1. Mit dem nächsten Nashorn war es auch nicht besser: Da war´s ganz dunkel...

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  2. Wirklich beeindruckende Fotos. Ich möchte nur keine Giraffe sein, wenn ich mir das Bild so anschau... Ich bin schon ganz gespannt auf den nächsten Teil.

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    1. Leider ist das Format meiner ActionCam hiermit nicht kompatibel. Du müßtest die erstmal rennen sehen...

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