Montag, 10. Oktober 2016

Opa muss reisen...nach Namibia (9)

Tag 11: Swakopmund - Kulala Desert Lodge


Morgens nach dem Frühstück bestiegen wir die Autos und fuhren los.
Es war noch nebelig und die Stadt schlief noch größtenteils. Weil wir mit 380 km die längste Etappe der ganzen Reise vor uns hatten, die zudem fast nur durch die Wüste und Berge führte, wurden die Wagen gecheckt. Volltanken und nochmals zusätzlich 6 l Wasser und ein bißchen Biltong zum Knabbern. Biltong gibt es in Namibia überall. Trockenfleisch, fast ein bißchen wie Jerky. Nur noch leckerer. Das gibt es von allen möglichen Tieren, gewürzt oder natur. Schweinelecker !


Die ersten 50 km fuhren wir über eine ausgebaute Straße, ab dann gab es bis zum Ziel nur noch Schotterpiste. Bisweilen waren aufgrund der Bedingungen nur 50km/h drin, also zog sich die Fahrt.

Der Verkehr war anfangs gering, aber bei einer Panne, hätten wir maximal 20 Minuten auf Hilfe warten müssen. Beruhigend.

Egal in welche Richtung man schaut: Wüste soweit das Auge reicht.
Irgendwann erblickte ich zufällig mitten im Nichts einen Strauss. Da stand er bei gefühlten 40°, kein Baum, kein Strauch, kein Nichts in der Nähe.
Verrückt.



Die erste Pause machten wir, als wir die Ausläufer des Hochlandes erreichten. Von oben hatte man nochmals einen Blick auf die Wüste.

Im Hintergrund erkennt man ein Baumreihe,
die die Strasse kreuzt und einem temporären
Wasserlauf folgt. Vielleicht auch einer Grundwasserader. Wer weiss...
Durch die Berge Richtung
Khuiseb Pass...


Am Paß angekommen, machten wir wieder eine Pause. Das Panorama war großartig, wenn auch sehr karg



Auf meinem Telefon habe ich noch dieses 360°-Panorama gefunden...



Nach 6 Stunden Fahrt sind wir endlich in der Kulala Desert Lodge angekommen.




Zwischenzeitlich dachte ich kurz, wir hätten uns verfahren...



...aber dann war klar: Wir sind noch auf der Südhalbkugel
und in Afrika !




Irgendwann gab es dann auch
wieder ein paar Bäumchen am Strassenrand und ein paar Tiere, aber nur kurz und dann waren wir wieder in der Wüste.







Kulala Desert Lodge: Unser Haus.
Oben konnte man sogar die Nacht verbringen unter einem herrlichen Sternenhimmel
Die Lodge liegt direkt am Wüstenrand längs eines (damals trockenen) kleinen Flusses.








Von der Hütte blickte man auf endlose Sanddünen in der Ferne.






Hier erhielten wir bei der üblichen Einweisung eine kleine Wasserflasche, die jeweils in der Lodge befüllt wurde. Es gibt dort keine Plastikgetränkeflaschen. Der Energiebedarf für Strom, Heisswassser usw. wird zu 90% über Solaranlagen gedeckt. In der "Hütte" gab es weder Kühlschrank noch Klimaanlage, jedoch einen Fan. Die Zeltwände konnte man großflächig öffnen, nachts herrschte ein angenehmes Klima. Es gab das übliche Moskitonetz gegen Besucher, aber ich zumindest habe nichts Krabbelndes entdecken können. Und für die Kameraden mit 6 oder 8 Beinen hat der Opa ein sicheres Auge. Garantiert !
Abends gab es ein wirklich gutes Essen und dann ging es ins Bett, denn am nächsten Morgen sollte es in die Wüste gehen.
Irgendwann gegen 4 Uhr bin ich aufgewacht. Es gab keinen Strom, d.h. es war vollkommen dunkel, abgesehen von einem phantastischen Sternenhimmel. Ich bin wachgeblieben und habe mich auf die Veranda gesetzt. Zu dieser Zeit gab es einen Meteoritenstrom und pro Minuten konnte man etwa 5 bis 10 "Sternschnuppen" pro Minute ausmachen. Ich habe mich diesbezüglich schlau gemacht, es müßte sich um die Eta-Aquariden gehandelt haben, die von Mitteleuropa nur eingeschränkt zu sehen sind.

Tag 12: Sossusvlei


Um 5 Uhr wurden alle geweckt und dann ging es in den Bus und in die Wüste. Dort haben wir auch den Sonnenaufgang gesehen. Ein spektakuläres Schauspiel, denn die Sanddünnen sind in der aufgehenden Sonne knallerot.





Frau Wuttke...
Was sich dort morgens gen Sossusvlei an Fahrzeugen in Bewegung setzt, ist beindruckend. Völkerwanderung. Allerdings verlieren sich die Massen in den teils hunderte Meter hohen Dünen recht schnell. Natürlich stand auch eine Dünenbesteigung auf dem Programm. Natürlich hat sich Opa, das alte Großmaul, nachdrücklich für die höchste Düne "Big Daddy" stark gemacht. 380 Meter vom Boden des Sossusvlei bis zur Spitze ! Ich hatte seit Monaten keinen Sport mehr betrieben und ich wurde sehr schnell sehr viel leiser. Der Aufstieg war eine Quälerei, aber er war es wert !

...und andere, die es bis oben schafften.
Unser Guide ist rauf in einem atemberaubenden Tempo, zwischendurch wieder runter und sich um Nachzügler gekümmert und wieder rauf. Aber Hallo. Der Abstieg ging wesentlich schneller. Einfach die Flanke runter. Man mußte nur aufpassen, dass man sich nicht überschlägt. Hoch 58 Minuten über den Hauptkamm, runter in 5 Minuten direkt ins Dead Vlei. Ein junger Mann hat sich einen Spaß draus gemacht und sich bis auf die Unterhose entkleidet und ist dann im Kabolz runter !


Oben auf der Düne. Einmal nach so...

...und einmal nach so geguckt. Unten das Dead Vlei.

Dank meiner nagelneuen Wüstenstiefel und der urigen Gamaschen hatte ich abends nur etwas Staub in den Socken. Und das obwohl ich teilweise bis zu den Schienbeinen eingesunken bin. Gute Investition !
Unten angekommen befanden wir uns dann im Dead Vlei, das ist eine Pfanne in der früher der Tsauchab, ein Fluss, der nur alle Jubeljahre mal Wasser führt, floss. Seit Jahrhunderten ist das vorüber, die Bäume sind vertrocknet und tot. Und so stehen sie nun da rum...






Sogar ein Nest ist erhalten...











Ich mußte ziemlich herumeiern, um keine Leute aufs Foto zu bekommen.
Gegen 1030 ging es zurück zum Auto. Es wurde ein Imbiss genommen und kurz vor Mittag, als es schon recht heiss war, setzte sich die karawane wieder in Bewegung.
Um 12 Uhr herrschte wieder Stille in der Wüste. Bis zum nächsten Morgen...

Abends gab es wieder ein sehr gutes Essen.
Die Kulala Desert Lodge ist absolut empfehlenswert. Sehr guter Service,  zünftige Unterkünfte, eine gute Küche und ein sehr gutes Team.

Demnächst:

- Wolvedans Dunes Camp

Kommentare:

  1. Ah endlich gehts hier weiter!

    Daß die Erdkrustenverschiebung Schlesien mittlerweile in den tiefen Süden Afrikas verfrachtet hat, ist ja der Hammer, man lernt eben nie aus - ich hätte es bis eben noch östlich von D verortet, der reinste Biildungsblog, den der Opa hier am Start hat *gg*

    Mordsmäßig beeindruckende Bilder hast Du da geschossen - vielen Dank dafür; ich persönlich kann dann solche Landschaften auch besser genießen, ich würde dort einfach schmelzen, ab 14°C fang ich an zu schwitzen :-P

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    1. Bedenke: Fährst Du tagsüber hast Du die Klimaanlage im Auto an; Fenster unten geht nicht, sonst ist alles vollgestaubt. Die Touren sind so geplant, damit Du etwa spätestens gegen 9 Uhr an der Düne bist. Wenn Du unten bist, ist es spätestens 10:30. Dann läufst Du unten im Dead Vlei und bist gegen 11 Uhr zum Imbiss. 11:30 Uhr sammeln sich alle zur Rückfahrt. Die wirklich heisse Tageszeit erlebst Du dort nicht. Außerdem ist im Mai da unten Herbst. Im Sommer würde das kein Mitteleuropäer durchstehen...

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    2. Ich wahrscheinlich auch den Herbst nicht, hrhr - aber Danke für die interessanten Details ;-)

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  2. Mensch Opa, da würde ich ja auch gerne mal hin. Aber mit der ganzen Mischpoche will ich sowas gar nicht bezahlen. Mein Neid ist Dir gewiss.

    Weißt ja, die ehrlichste Form der Anerkennung!

    Cheers
    GS

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  3. Mensch Opa, da würde ich ja auch gerne mal hin. Aber mit der ganzen Mischpoche will ich sowas gar nicht bezahlen. Mein Neid ist Dir gewiss.

    Weißt ja, die ehrlichste Form der Anerkennung!

    Cheers
    GS

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    1. Setz Frau und Kind auf halbe Ration, keine neuen Handys mehr, Kleidung der Größe nach auftragen und in der Gewissheit leben, dass Kartoffeln mit Quark nahrhaft und gesund sind. Jeden Tag. Dann klappts auch mit den Lieben zusammen. Wahrscheinlich wollen die dann aber sowieso nicht mehr mit Dir...
      So oder so: Ziel erreicht !

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